Adoption und Pflegekind

Die Kinder- und Jugendhilfe (KJH) des Magistrats Steyr ist für alle Steyrer Bürger*innen die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um Pflegeelternschaft und Adoption. Die Mitarbeiterinnen beraten Interessierte umfassend, informieren über die Voraussetzungen und den Ablauf des Eignungsverfahrens, organisieren Vorbereitungsseminare und begleiten Familien während des gesamten Vermittlungs- und Betreuungsprozesses.


Adoption

Eine Adoption soll einem Kind Geborgenheit und Zuwendung in einer neuen Familieermöglichen – unter Achtung seiner Herkunft. Die Kinder- und Jugendhilfe hat die Aufgabe, Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, zu den für sie am besten geeigneten Adoptivwerbern zu vermitteln. Dabei orientiert man sich ausschließlich am Wohl und an den Bedürfnissen des Kindes.

Welche Kinder können adoptiert werden?

  • Kinder, die von den leiblichen Eltern zur Adoption freigegeben werden
  • Kinder, die anonym geboren wurden
  • „Findelkinder“ - das sind z.B. Babys, die in einem Babynest (Babyklappe) abgegeben wurden

Die Adoption von Erwachsenen fällt nicht in die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe, sondern in den Aufgabenbereich der Gerichte.


Gesetzliche Voraussetzungen für eine Adoption:


Wer kann adoptieren

  • Ehepaare gemeinsam (Ausnahme: z.B. Adoption d. leiblichen Kinder der Ehegatten)
  • Alleinstehende
  • Für nicht verheiratete Paare (auch für gleichgeschlechtliche) ist eine gemeinsame Adoption ebenso möglich wie eine Einzeladoption

Mindestalter
Die Adoptiveltern bzw. der Adoptivvater oder die Adoptivmutter müssen das 25.Lebensjahr vollendet haben und älter als das Wahlkind sein (natürliche Eltern-Kind-Beziehung).

Persönliche Eignung
Die Überprüfung der persönlichen Eignung der Adoptivwerbenden sowie aller im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen erfolgt durch die örtlich zuständige Kinder- und Jugendhilfe unter Einbeziehung des psychologischen Fachdienstes.

Fachliche Vorbereitung
In Oberösterreich bietet der Verein für Pflege- und Adoptiveltern entsprechende Basisseminare an. Der Besuch der verschiedenen Module ist verpflichtend.

Wie wird man Adoptivmutter/vater?
Interessierte Personen oder Paare vereinbaren zunächst ein Erstgespräch mit der örtlich zuständigen Kinder- und Jugendhilfe (Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat). In diesem Gespräch erhalten sie umfassende Informationen über die weiteren Schritte auf dem Weg zur Aufnahme eines Adoptivkindes.

Mitarbeiterinnen der Kinder- und Jugendhilfe begleiten diesen Prozess in mehreren persönlichen Gesprächen sowie Hausbesuchen. Dabei geht es nicht darum, eine „perfekte“ Familie zu finden, sondern gemeinsam zu klären, ob die Rahmenbedingungen für die Aufnahme eines Kindes geeignet sind.

Im Mittelpunkt stehen verschiedene Aspekte: Neben der körperlichen und psychischen Belastbarkeit werden auch die Wohnsituation und das vorhandene Platzangebot berücksichtigt. Ebenso wichtig ist die persönliche Haltung, die Motivation zur Aufnahme eines Kindes sowie die Bereitschaft, sich auf dessen individuelle Lebensgeschichte und Bedürfnisse einzulassen.

Darüber hinaus werden Themen wie der Umgang mit Konflikten, die Erziehungsvorstellungen, die Beziehungsfähigkeit sowie die Fähigkeit zur Reflexion besprochen. Die Eignungsüberprüfung soll aufzeigen, ob die zukünftigen Adoptiveltern einem Kind langfristig Sicherheit, Geborgenheit und verlässliche Entwicklungsbedingungen bieten können.

In einem anschließenden Vorbereitungsseminar haben Interessierte die Möglichkeit, ihre eigenen Motive zu reflektieren und sich intensiv mit den Anforderungen einer Adoption auseinanderzusetzen. 

Da nur sehr wenige Kinder zur Adoption freigegeben werden, muss oft mit langen Wartezeiten bis zur Vermittlung eines Kindes gerechnet werden. Manchmal kann der Wunsch nach einem Kind nicht erfüllt werden.

Pflegekinder

Was ist Pflegeelternschaft?
Pflegeeltern tun das, was alle Eltern tun. Sie kümmern sich um Kinder - für eine bestimmte oder unbestimmte Zeit, ganz oder teilweise. Durch sie erfahren Kinder Geborgenheit und Aufmerksamkeit und können sich so gut entwickeln. Pflegeeltern geben Kindern ein Zuhause. Sie helfen ihnen dabei, ihre Wurzeln zu finden und mit ihrer Geschichte zu leben. Sie unterstützen dabei auch den Kontakt zu den leiblichen Eltern, je nach Situation in unterschiedlichem Ausmaß.

Pflegeformen
Als Pflegemutter/vater wirst du vielleicht:

  • ein Kind für längere Zeit oder bis zur Volljährigkeit in die Familie aufnehmen
  • ein Kind für einen begrenzten Zeitraum begleiten, bis seine Eltern das wieder selber schaffen
  • einfach eine Zeit überbrücken, in der z.B. eine Mama ins Krankenhaus muss
  • Eltern entlasten und ein Kind regelmäßig, z.B. am Wochenende, betreuen

Voraussetzungen für Pflegeelternschaft
Alleinstehende Personen können genauso Pflegemutter/-vater werden wie Paare. Voraussetzungen, die bei der Eignungsüberprüfung besprochen werden, sind zum Beispiel:

  • Der Altersunterschied zwischen den Pflegeeltern und Pflegekind sollte dem natürlichen Altersunterschied entsprechen.
  • Beruf und Familie sollten gut vereinbar sein.
  • Die gesundheitliche Eignung von Pflegewerbern muss in Form eines Gesundheitsfragebogens vom Arzt bestätigt werden.
  • Für alle im Haushalt lebenden Personen ist ein Strafregisterauszug vorzulegen.
  • Die Wohnverhältnisse müssen kindgerecht und die finanziellen Verhältnisse abgesichert sein.
  • Für die soziale Integration des Pflegekindes in die Gesellschaft sind auch ausreichende Deutschkenntnisse erforderlich.

 

Persönliche Eignung
Die Überprüfung der persönlichen Eignung der Pflegewerber sowie aller im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen erfolgt durch die örtlich zuständige Kinder- und Jugendhilfe unter Einbeziehung des psychologischen Fachdienstes.

Im Rahmen der Gespräche mit den Sozialarbeiterinnen sowie der psychologischen Eignungsüberprüfung stehen auch die persönlichen Einstellungen und Haltungen der Pflegewerber*innen im Mittelpunkt. Dabei wird unter anderem die Motivation für die Aufnahme eines Pflegekindes, die eigene Lebensgeschichte, Werte, Erziehungsvorstellungen und persönliche Stärken thematisiert. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bereitschaft, sich mit den besonderen Anforderungen eines Pflegeverhältnisses auseinanderzusetzen – insbesondere mit der wertschätzenden Haltung gegenüber der Herkunftsfamilie.

Bestimmte Fragen kann man bereits im Vorfeld bedenken:

  • Bin ich belastbar? Offen für Neues?
  • Ist meine Lebensweise auf Kinder abgestimmt? Habe ich Erfahrung in der Erziehung?
  • Bin ich bereit, der Herkunftsfamilie mit Respekt zu begegnen?
  • Steht die ganze Familie hinter dieser neuen Aufgabe? Haben wir ein harmonisches, warmherziges, tolerantes Familienklima? Halten wir auch turbulente Zeiten aus?
  • Könnte ich mir auch vorstellen, ein Kind mit besonderen Bedürfnissen aufzunehmen? Habe ich in diesem Bereich (berufliche) Vorerfahrungen?

 

Fachliche Vorbereitung
Die Teilnahme an den Seminaren, die über den Verein für Pflege und Adoption angeboten werden, ist verpflichtend (bei Paaren müssen beide Partner teilnehmen). Dort setzt ihr euch mit den wichtigsten Themen auseinander, die angehende Pflegeeltern bzw. Pflegepersonen beschäftigen und die hilfreich sein können, wenn ein Pflegekind bei euch lebt.

Wie wirst du Pflegemama/-papa?
Du nimmst Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe in deinem Wohnbezirk auf. Dort erhältst du eine umfassende und unverbindliche Beratung über die verschiedenen Möglichkeiten. Je nachdem, für welche Betreuungsform du dich entscheidest, sieht dann der weitere Weg unterschiedlich aus.

Egal, ob „Vollzeit“-Pflegeeltern oder Menschen, die eine Familie tage- oder stundenweise unterstützen wollen: Die Kinder- und Jugendhilfe sucht Menschen mit großen Herzen, die Platz für ein Kind haben.

Dazu muss man kein Superheld sein. Wir suchen verständnisvolle und geduldige Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und einem Kind Zuneigung und Stabilität geben. Die Kinder- und Jugendhilfe bietet dabei Begleitung und Unterstützung an.

Für Fragen und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Fachabteilung für Jugend und Familie, Amtsgebäude Reithoffer, Pyrachstraße 7, 4400 Steyr

DSA Michaela Schernthaner, Tel. 07252 575 457 michaela.schernthaner@steyr.gv.at
Andrea Stoubenfol, MA, Tel. 07252 575 537 andrea.stoubenfol@steyr.gv.at
Verein Pflege- und Adoptiveltern OÖ, Linz, Stockhofstraße 9/1, Tel. 0732 606665