Was ist Pflegeelternschaft?
Pflegeeltern tun das, was alle Eltern tun. Sie kümmern sich um Kinder - für eine bestimmte oder unbestimmte Zeit, ganz oder teilweise. Durch sie erfahren Kinder Geborgenheit und Aufmerksamkeit und können sich so gut entwickeln. Pflegeeltern geben Kindern ein Zuhause. Sie helfen ihnen dabei, ihre Wurzeln zu finden und mit ihrer Geschichte zu leben. Sie unterstützen dabei auch den Kontakt zu den leiblichen Eltern, je nach Situation in unterschiedlichem Ausmaß.
Pflegeformen
Als Pflegemutter/vater wirst du vielleicht:
- ein Kind für längere Zeit oder bis zur Volljährigkeit in die Familie aufnehmen
- ein Kind für einen begrenzten Zeitraum begleiten, bis seine Eltern das wieder selber schaffen
- einfach eine Zeit überbrücken, in der z.B. eine Mama ins Krankenhaus muss
- Eltern entlasten und ein Kind regelmäßig, z.B. am Wochenende, betreuen
Voraussetzungen für Pflegeelternschaft
Alleinstehende Personen können genauso Pflegemutter/-vater werden wie Paare. Voraussetzungen, die bei der Eignungsüberprüfung besprochen werden, sind zum Beispiel:
- Der Altersunterschied zwischen den Pflegeeltern und Pflegekind sollte dem natürlichen Altersunterschied entsprechen.
- Beruf und Familie sollten gut vereinbar sein.
- Die gesundheitliche Eignung von Pflegewerbern muss in Form eines Gesundheitsfragebogens vom Arzt bestätigt werden.
- Für alle im Haushalt lebenden Personen ist ein Strafregisterauszug vorzulegen.
- Die Wohnverhältnisse müssen kindgerecht und die finanziellen Verhältnisse abgesichert sein.
- Für die soziale Integration des Pflegekindes in die Gesellschaft sind auch ausreichende Deutschkenntnisse erforderlich.
Persönliche Eignung
Die Überprüfung der persönlichen Eignung der Pflegewerber sowie aller im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen erfolgt durch die örtlich zuständige Kinder- und Jugendhilfe unter Einbeziehung des psychologischen Fachdienstes.
Im Rahmen der Gespräche mit den Sozialarbeiterinnen sowie der psychologischen Eignungsüberprüfung stehen auch die persönlichen Einstellungen und Haltungen der Pflegewerber*innen im Mittelpunkt. Dabei wird unter anderem die Motivation für die Aufnahme eines Pflegekindes, die eigene Lebensgeschichte, Werte, Erziehungsvorstellungen und persönliche Stärken thematisiert. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bereitschaft, sich mit den besonderen Anforderungen eines Pflegeverhältnisses auseinanderzusetzen – insbesondere mit der wertschätzenden Haltung gegenüber der Herkunftsfamilie.
Bestimmte Fragen kann man bereits im Vorfeld bedenken:
- Bin ich belastbar? Offen für Neues?
- Ist meine Lebensweise auf Kinder abgestimmt? Habe ich Erfahrung in der Erziehung?
- Bin ich bereit, der Herkunftsfamilie mit Respekt zu begegnen?
- Steht die ganze Familie hinter dieser neuen Aufgabe? Haben wir ein harmonisches, warmherziges, tolerantes Familienklima? Halten wir auch turbulente Zeiten aus?
- Könnte ich mir auch vorstellen, ein Kind mit besonderen Bedürfnissen aufzunehmen? Habe ich in diesem Bereich (berufliche) Vorerfahrungen?
Fachliche Vorbereitung
Die Teilnahme an den Seminaren, die über den Verein für Pflege und Adoption angeboten werden, ist verpflichtend (bei Paaren müssen beide Partner teilnehmen). Dort setzt ihr euch mit den wichtigsten Themen auseinander, die angehende Pflegeeltern bzw. Pflegepersonen beschäftigen und die hilfreich sein können, wenn ein Pflegekind bei euch lebt.
Wie wirst du Pflegemama/-papa?
Du nimmst Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe in deinem Wohnbezirk auf. Dort erhältst du eine umfassende und unverbindliche Beratung über die verschiedenen Möglichkeiten. Je nachdem, für welche Betreuungsform du dich entscheidest, sieht dann der weitere Weg unterschiedlich aus.
Egal, ob „Vollzeit“-Pflegeeltern oder Menschen, die eine Familie tage- oder stundenweise unterstützen wollen: Die Kinder- und Jugendhilfe sucht Menschen mit großen Herzen, die Platz für ein Kind haben.
Dazu muss man kein Superheld sein. Wir suchen verständnisvolle und geduldige Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und einem Kind Zuneigung und Stabilität geben. Die Kinder- und Jugendhilfe bietet dabei Begleitung und Unterstützung an.